Veranstaltungs-Archiv

 

Tauber Zeitung Bad Mergentheim

Posted by Administrator (admin) on Sep 27 2009
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Vom Wunder der Heilung
Clemens Kuby im DGH Neunkirchen

 

Viele Besucher interessierten sich für Clemens Kubys Film "Heilung, das Wunder in uns". Fotos: Michael Weber-Schwarz
 
Das Dorfgemeinschaftshaus Neunkirchen platzte am Freitagabend fast aus allen Nähten: Clemens Kuby, deutscher Dokumentarfilmer und Bestsellerautor, zeigte seinen Kinofilm "Heilung,das Wunder in uns".
 
MICHAEL WEBER-SCHWARZ
 
Bad Mergentheim Dem erst vor einigen Wochen gegründeten "Institut für angewandte Ethik" (EIFAE) mit Sitz in Bad Mergentheim gelang mit ihrer Veranstaltungspremiere und der Einladung von Clemens Kuby ein echter Paukenschlag: über 350 Interessierte besuchten den Vortrags- und Filmabend. Und: Es war beileibe kein "Szenepublikum", das sich für das Phänomen Selbstheilungsprozess interessierte - von der Sekretärin bis zum Schulrektor reichte die Besucherpalette.
 
Für Clemens Kuby wiederum war die Veranstaltung vor dem Hintergrund seiner Biografie ein etwas bizarres Heimspiel, denn im Hohenlohischen spielte sich sein Lebensdrama ab. Vor rund 28 Jahren renovierte und betrieb der Mitbegründer der "Grünen" in Heroldhausen bei Rot am See einen alten Landgasthof. Kubys Film zeigte beeindruckende Bilder von "damals", als der Autor auf der Suche nach einem stimmigen Lebenskonzept war - ohne es allerdings selbst zu wissen. Bis er vom Dach seines eigenen Hauses stürzte und querschnittsgelähmt mit dem Rettungswagen ins Bad Mergentheimer Caritas-Krankenhaus eingeliefert wurde. Kuby schilderte die Katastrophe mit viel Humor: Weil sich offenbar kein Rettungshubschrauber für den Weitertransport in die Spezialklinik Heidelberg-Schlierbach fand, rief sein Bruder bei den Niederstettener Heeresfliegern an. Die übten zufällig gerade die "Bergung von Verletzten im Feindesland" per Helikopter und holten Kuby kriegsfilmreif schwerbewaffnet "aus dem Caritas raus" und starteten Richtung Neckartal - mitten in ein heranziehendes Sturmtief hinein. "Jetzt bist du nicht nur querschnittsgelähmt, jetzt stürzt du auch noch ab", schilderte Kuby den Höhepunkt des Dramas. Erst auf diesem "Höllenflug" bricht er mit seinem bisherigen Leben und beginnt neu. Für Kuby in der Rückschau der Beginn seiner Heilungsgeschichte, seines neuen Lebensdrehbuchs. Vor staunenden Pflegern und Ärzten vollzieht er sein eigenes Wunder: nach einem Jahr hoch schmerzhaften Klinikaufenthalts verlässt er die Schlierbacher Orthopädie. Nicht im Rollstuhl, sondern auf zwei Beinen gehend.
 
"Sie hatten Glück - eine von wenigen Spontanheilungen", sagt der Cheforthopäde. "Aber wie funktioniert das?", fragt Kuby nach. "Spontan eben!", sagt der Mediziner. Kuby steckt mitten in der Recherche: "Spontan? Also war es eine geistige Heilung!", folgert er. Und er versucht dem "Wunder" auf den Grund zu gehen, sucht Heiler, Ärzte, Geheilte auf der ganzen Welt, erforscht (und lehrt später) das, was ihm die Medizin bisher weder in seinem eigenen noch in anderen Fällen erklären konnte: wie man die mentalen Ursachen von Problemen aller Art findet und wandelt. Als Filmemacher hat er seine eigene Methode gefunden. Er nennt sie "Lebe Deinen Film". Sie beruht auf der Sicht - und selbst renommierte Mediziner bestätigen das in seinem Film vor der Kamera -, dass "jeder sich selbst seine Wirklichkeit erschafft". Und zu der eigenen Wirklichkeit gehören sowohl die Probleme als auch ihre Lösungen.
 
"Heilung, das Wunder in uns" ist - etwa im Vergleich zu seiner preisgekrönten Buddhismus-Trilogie - kein wirklich brillanter Dokumentarfilm. Er ist in der Recherche dennoch präzise - und führt den Zuschauer an einigen Stellen an die Grenzen des Erträglichen. Er wird Zeuge tiefen Leids und grauenhafter Seelenschmerzen; die bewegenden Krankheits- und Heilungsgeschichten treiben einem bisweilen Tränen in die Augen. Die Kritik an gängigen Medizin- und Psychotherapiekonzepten ist subtil, aber deutlich, manchmal zu holzschnittartig.
 
Wenn Kuby therapiert (im Film sind Ausschnitte aus seinen Gruppensettings zu sehen, bei denen er ganz offensichtlich mit psychotherapeutischen Interventionstechniken vorgeht), operiert er in der Grauzone (in Deutschland ist Psychotherapie rein rechtlich nur Ärzten, Psychologen und Pädagogen sowie gegebenenfalls Heilpraktikern mit entsprechender Ausbildung und Zulassung vorbehalten). Doch letztlich setzt er - auch trotz bisweilen direktiver Vorgehensweise - auf die unbedingte Freiheit des Einzelnen. "Mach Dir eine Lebensinterpretation, die Dich gesund und glücklich macht", sagt er und zeigt, wie man sich seinen eigenen "Heilfilm" imaginiert, an den man glauben muss, damit er wirken kann. Und obwohl Kuby sich selbst gar nicht als "Heiler" sieht und auch in Neunkirchen nicht als solcher auftritt, auch für ihn und seine Methode gilt: "Wer heilt, hat recht."
 
Der bekannte Ulmer Universitätsmediziner Prof. Dr. Franz Porzsolt bringt die Methode Kuby auf den Punkt. "Informationen können heilen", bestätigt er, während er sich gleichzeitig eher als medizinisch-wissenschaftlichen "Hardliner" denn als Alternativmediziner beschreibt. Doch die persönlichen "Heilinformtionen" gibt es nicht "light", hält Kuby fest. Ein existenzielles Real-Theater ist notwendig. Kuby: "So dramatisch die Diagnose, so dramatisch ist auch die notwendige Lebensänderung."

 
 

Erscheinungsdatum: Montag 07.09.2009
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/

Last changed: Sep 27 2009 at 11:40 AM

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